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Verantwortlich für das Dissertationsprojekt: Dr. Roman Seidel (Dissertation 2011)
Finanzierung: UFSP Asien und Europa (Januar 2009 – Februar 2011); Orientalisches Seminar der Universität Zürich ( März 2011–August 2011)
Promotionskommission: Prof. Dr. Ulrich Rudolph, Asien-Orient-Institut, Islamwissenschaft/UFSP Asien und Europa, Prof. Dr. Raji C. Steineck, Asien-Orient-Institut, Japanologie/UFSP Asien und Europa, Prof. Dr. Sabine Schmidtke, Institut for Advanced Study, Princeton.
Forschungsfeld: Begriffe und Taxonomien
Das Phänomen der Kantrezeption in Iran bietet ein besonders signifikantes Beispiel, für die Rezeption europäischer Philosophie im außereuropäischen Raum, denn das Denken Kants wird in Iran von sehr divergierenden intellektuellen Strömungen auf unterschiedliche Weise aufgenommen. Die Untersuchung geht von der Annahme aus, dass die Transmission von Ideen keine passive Reproduktion, sondern vielfach eine kreative Aneignung von Wissen ist, die grundsätzlich in einem spezifischen Kontext satt findet. Um solche Aneignungsprozesse zu verstehen, ist es nötig, den Kontext genauer zu beleuchten. Im historischen Teil der Arbeit soll daher zunächst der ideengeschichtliche Hintergrund, vor dem die Kantrezeption stattfindet, untersucht werden. Dabei handelt es sich einerseits um die Rezeption europäischen Denkens im Iran des 19. und 20. Jahrhunderts und andererseits um die Tradition iranisch-islamischer Philosophie im Iran derselben Zeit. Im Hauptteil werden verschiedene Zugänge zu einzelnen systematischen Fragen im Werke Kants, die von iranischen Kantinterpreten angeboten werden, analysiert. Dabei soll einerseits immer ein Vergleich der jeweiligen Auslegung mit der Kantischen Referenzquelle stattfinden, andererseits aber nicht zuletzt nach den Argumentationszusammenhängen und Motiven gefragt werden, die hinter den unterschiedlichen Zugängen zum Denken Immanuel Kants stehen. Ziel ist es mögliche Anknüpfungspunkte für bestimmte systematische Fragen der Kantforschung aufzuzeigen, sowie, durch die engere Verknüpfung von philosophiegeschichtlicher Forschung und Orientforschung, ein „europäisches“ Selbstverständnis im Umgang mit dem Erbe Kants und der Aufklärung zu hinterfragen.